RECONQUISTA

  • Im Streit um die Germanen

     

    ..und ihre »sagenhafte« Vorgeschichte


    Wutentbrannt stürzten sich die Männer auf ihre auf den Anhöhen ringsherum postierten Feinde – und trotz der schlechten Angriffsposition verlieh ihnen ihre Wut die nötige Kraft, den aus dem Hinterhalt angreifenden Feind vernichtend zu schlagen. Hier in Noreia im Jahre 113 v. Chr. lag die Geburtsstätte des „Furor Teutonicus“1 – der teutonischen Wut, die sich in Gestalt der Kimbern, Teutonen und Ambronen gegen die Römer entlud, die ihnen erst freies Geleit zusicherten, um sie dann heimtückisch zu überfallen.


    Der Sieg in dieser Schlacht brachte jedoch keinen dauerhaften Frieden – zehn Jahre später fanden die meisten der germanischen Auswanderer, die um 120 v. Chr. gemeinsam mit ihren Familien aus ihrer Heimat aufgebrochen waren, in den Schlachten von Aquae Sextiae (102) und Vercellae (101) den Tod.

    Fortan aber sollte die Angst vor den Germanen schicksalhaft für jene Macht werden, die im Begriff war, zur Weltmacht aufzusteigen - Rom.

    Mit dieser Episode verbunden ist zugleich die früheste Erwähnung germanischer Stämme durch antike Chronisten.2 Allerdings verwendeten diese für die „Cimbri Teutonique“ („Kimbern und Teutonen“) noch nicht die Bezeichnung „Germanen“, die erst einige Jahre später vom griechischen Autoren Poseidonios um 80 v. Chr. eingeführt wurde.3


    Der Germanen-Begriff

    Weite Verbreitung in Rom fand die Germanen-Bezeichnung dank des römischen Feldherrn Julius Caesar, der diesen Namen in propagandistischer Absicht aufgriff, um seine linksrheinischen Eroberungen (58-51 v. Chr.) historisch zu legitimieren. Links des Rheins – so Caesar - sitzen die Kelten, die er vollständig unterworfen habe, und rechts des Rheins die Germanen. Sicherlich ist diese strikte Trennung historisch unscharf, aber sind die Germanen deshalb bloß ein Mythos, eine Erfindung?4

    Wenn es nach dem Willen der jüngeren Wortführer innerhalb der wissenschaftlichen Diskussion
    geht, ja. Ihnen zufolge sind die Germanen in der nachchristlichen Zeit quasi vom Himmel gefallen. Überhaupt wäre es grundsätzlich falsch von bestimmten Ethnien zu dieser Zeit zu sprechen, denn historisch überlieferte Stämme setzten sich – so jedenfalls einige dieser „Historiker“ – aus Menschen zusammen, die ihre Ethnien offenbar wechselten, wie heutige Menschen ihre Mäntel.5 Mit diesen absurden Thesen erweisen sich viele dieser heute führenden Historiker als lupenreine Vertreter eines herrschenden Multikulti-Zeitgeistes, in dem es keine Ethnien oder homogene Stämme und Völker geben kann, weil es sie qua Dictum nicht geben darf. Dabei widersprechen diese Vorstöße eklatant den Überlieferungen der antiken Autoren, allen voran Tacitus (58-120 n. Chr.), der bezeugte:

    Die Germanen selbst sind, möchte ich meinen, Ureinwohner und von Zuwanderung und gastlicher Aufnahme fremder Völker gänzlich unberührt. …

    Ich selbst schließe mich der Ansicht an, daß sich die Bevölkerung Germaniens niemals durch Heiraten mit Fremdstämmen vermischt hat und so ein reiner, nur sich selbst gleicher Menschenschlag von eigener Art geblieben ist. Daher ist auch die äußere Erscheinung trotz der großen Zahl von Menschen bei allen dieselbe: wild blickende blaue Augen, rötliches Haar und große Gestalten, die allerdings nur zum Angriff taugen. …

    Die Bezeichnung Germanien sei übrigens neu und erst vor einiger Zeit aufgekommen. Denn die ersten, die den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben hätten, die jetzigen Tungrer, seien damals Germanen genannt worden. So habe der Name eines Stammes, nicht eines ganzen Volkes, allmählich weite Geltung erlangt: zuerst wurden alle nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen bezeichnet, bald aber nannten auch sie selbst sich so, nachdem der Name einmal aufgekommen war.“6

    Um 100 wiesen also die von Tacitus beschriebenen Germanen einheitliche Körpermerkmale auf, was zwingend für eine einheitliche Ethnie oder Zusammensetzung aus eng verwandten Ethnien spricht.


    Frühgermanen in den antiken Quellen

    Was aber spielte sich in Germanien ab, bevor Kimbern und Teutonen im 2. Jahrhundert v. Chr. erstmals auf die Römer trafen?

    Lange Zeit galt die um 600 v. Chr. in Schleswig-Holstein und Niedersachsen entstandene Jastorf-Kultur als frühestes faßbares Auftreten der Germanen; alles, was zeitlich davor lag, wurde als vorgermanisch bezeichnet. Tatsächlich aber sind die Germanen nicht um diese Zeit „entstanden“, wie es lange Zeit hieß, bevor der Begriff Germane selbst kurzerhand gestrichen werden sollte.

    Als eine der ersten „(früh-)germanischen Kulturen“ kann die Lausitzer Kultur (1300-500 v. Chr.) bezeichnet werden, die eine Vorstufe ostgermanischer Stämme verkörperte. Eine zeitgleiche und eng verwandte Kultur bezeichnet man heute als „Urnenfelderkultur“ (1300-800 v. Chr.). Im Zeithorizont dieser, nach der Sitte ihre verbrannten Toten in Urnen zu bestatten benannten Kultur erfolgte eine schrittweise Südwanderung von Nord- und Mitteleuropa bis an die Küsten des Mittelmeers – ein Vorgang wie er sich über die Jahrhunderte seit der Jungsteinzeit immer wieder ereignet hatte.7 Erst mit den Römern setzte sich ein Volksstamm aus Südeuropa im Norden fest. In den Jahren 9 bis 16 n. Chr. wurde die römische Expansion indes vom Cheruskerfürsten Arminius gestoppt.

    Aus der Urnenfelderkultur, in deren Gestalt sich die Südwanderung der Stämme aus Europas Norden verfolgen läßt, erwuchs im nördlichen Voralpenraum die Hallstattkultur, die als früheste keltische Kulturstufe gilt.

    Innerhalb weniger Generationen entstanden so aus der Vermischung zwischen Einheimischen und südwärts wandernden Stämmen, für welche die Forschung keinen besseren Sammelbegriff als „Frühgermanen“ besitzt, Kelten. Die antiken Autoren indes bezeichneten auch deren Vorfahren als Kelten oder Skythen. Grund hierfür ist keineswegs die wilde Vermischung und fehlende ethnische Konstanz, sondern im Gegenteil eine so enge Verwandtschaft der frühen Stämme der Germanen, Kelten und Skythen, die eine strikte Abgrenzung erschwerte. Die Germanen, deren Stamm der Tungrer als erste unter diesem Oberbegriff firmierten, wurden dabei sehr wahrscheinlich in Abgrenzung zu den mit alteuropäischen Stämmen vermischten Kelten als „Germani“, als „echte“, vermutlich im Sinne von „autochthon“ oder „unvermischt“ im Vergleich mit den Kelten, bezeichnet. Diesen Namen übernahmen Stämme wohl als eine Art besonders ehrenvoller Bezeichnung, vor allem wenn sie auf Römer trafen, wie der Römer Tacitus 100 n. Chr. berichtet.8 Somit ist also der Name Germanen durchaus eine zulässige Oberbezeichnung für die Stämme gleicher Herkunft aus dem Norden Europas.


    Germanen, Kelten und Skyten

    Germanen, Kelten und Skythen als eng verwandte Stämme? Sicherlich ein fremdklingender Gedanke in den Ohren des durchschnittlichen Geschichtskonsumenten Knoppscher Prägung. Tatsächlich aber haben einige antike Autoren diese über die Sprachverwandtschaft weit hinausgehende enge Verwandtschaft, die sich übrigens auf viele der indogermanischen Stämme eingangs des 1. Jahrtausends v. Chr. bezieht – Italiker, Hellenen, Thraker usw. - bestätigt.

    So berichtet Plutarch (etwa 46—120 n. Chr.), der aufgrund des ihm noch vorliegenden historischen Materials die Lebensgeschichte verschiedener griechischer und römischer Feldherren und Staatsmänner überliefert hat, folgendes: „Die Ambronen stürzten nicht in ungeordnetem und wildem Lauf heran. Sie stießen auch nicht unartikuliertes Kriegsgeschrei aus, sondern schlugen im Rhythmus ihre Waffen zusammen, und indem sie alle gleichzeitig Sprünge ausführten, riefen sie mehrfach ihren eigenen Namen: „Ambronen!“ Sei es, daß sie sich dadurch selbst zur Hilfe riefen, sei es, daß sie die Feinde durch die vorherige Ankündigung ihres Namens im voraus erschrecken wollten. Wie diese die Ambronen ihren Namen rufen hörten und ihren Ruf verstanden, riefen sie ihrerseits dagegen, daß dies ihre väterliche Benennung sei, denn die Ligurer nannten sich selbst so als Stamm.“

    Jürgen Spanuth schreibt ausgehend von der Quellenlage über die Umbrer: Die Umbrer kamen wie auch die beiden anderen Völkerschaften, die Teutanen oder Teutonen und die Kimmerier oder Kimbern, von der Kimbrischen Halbinsel und gelangten, wie die Funde beweisen, zur selben Zeit und mit denselben Waffen wie die anderen Nordmeervölker in ihre neuen Siedlungsgebiete. Herodot nennt die Umbrer „Ombriker“ und sagt, daß sie vor den „Tyrsenern“ in Umbrien saßen.

    Die gleiche Herkunft bescheinigt Ammianus Marcellinus (4. Jhdt. n. Chr.) in seinem Geschichtswerk den Dorern, die als frühester Stamm der klassischen Hellenen galten: „Die Dorier wurden von den äußersten Eilanden und aus den jenseits des Rheines (d.h. östlich des Rheines) liegenden Gebieten durch anhaltende Kriege und große Überschwemmungen des wilden Meeres aus ihrer Heimat vertrieben und wanderten nach Griechenland aus.“9

    Ein anderer Stamm, der sowohl in Germanien als auch in Italien erscheint, sind die Marser, die u.a. Plinius d. Ältere bezeugt.10


    Anmerkungen

     

    1) „teutonische Raserei/Angriffslust“ oder im weiteren Sinn „germanische(r) Angriffsgeist/-lust“.Der Ausdruck wird meist dem römischen Dichter Marcus Annaeus Lucanus (39–65 n. Chr.) zugerechnet, in dessen Werk Bellum civile er nach heutiger Quelle erstmals auftaucht (Liber Primus, 255 f.).

    2) Der römische Autor Plutarch, der sich auf die Memoiren des Sulla, des Catulus, des Rutilius Rufus sowie die Historien des Poseidonios berief, bezeichnete erstmals die Kimbern als „Germanen“. Die heutige Forschung folgt ihm hierin, obgleich es auch Stimmen gibt, welche weitere Teilnehmer dieses Zuges als keltisch ansehen.

    3) 30. Buch Historien. Umstritten ist eine frühere Nennung der Germanen auf den Fasti Triumphalis um 222 v. Chr, da es sich auch um eine spätere Umschreibung im Rahmen der augusteischen Fastenredaktion handeln kann. In den meisten Werken wird lediglich zwischen Kelten im Nordwesten und Sklythen im Nordosten unterschieden.

    4) So etwa Geary, P.-J. Europäische Völker im frühen Mittelalter. Zur Legende vom Werden der Nationen (Frankfurt 2002). Vgl. www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/die-erfindung-der-germanen-33185.

    5) Wikipedia schreibt dazu: In jüngster Zeit wird in der Forschung die Instabilität ethnischer Identität gerade in der Antike verstärkt betont und das aus dem nationalstaatlichen Denken des 18./19. Jahrhunderts stammende Konzept der Germanen zunehmend in Frage gestellt…. Vereinzelt wird sogar gefordert, Germane und germanisch im wissenschaftlichen Kontext überhaupt nicht mehr zu verwenden. Die germanischen „Stämme“ (gentes, nationes) der Völkerwanderungszeit stellten nach heute dominierender Forschungsmeinung keine konstanten Einheiten oder Abstammungsgemeinschaften dar, auch wenn die Quellen dies teils suggerieren. Vielmehr schlossen sich beispielsweise gotischen Verbänden auch Rugier oder Heruler an; einzelne Individuen und ganze Gruppen konnten ihre „Ethnizität“ wiederholt wechseln. Jörg Jarnut: Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffs der Frühmittelalterforschung.Wien 2004, S. 107 ff.

    6) Tacitus Germania I, 2 u. 5 (verfasst um 100 n. Chr.)

    7) Jüngere Versuche der Geschichtswissenschaft, eine Verbreitung von Süd – aus dem Voralpenraum - nach Nord zu suggerieren, dürften als gescheitert angesehen werden – vgl. dazu insbesondere für die Jungsteinzeitleitlichen Wanderbewegungen Böttcher, Carl-Heinz: Der Ursprung Europas.St. Ingbert 2000²

    8) Andere Ableitungen sehen Germani = „Grenznachbarn“, „Schlachtrufer“ (gairm/garm = Geschrei) oder „Speermänner“ (Ger-mani).

    9) So der antike Chronist Plutarch, zit. nach: Jürgen Spanuth: Die Atlanter. Tübingen 1976, Seite 102-105.

    10) Plinius, Naturalis Historia 7, 15.



    Teil 2: Jordanes, die Geten und die

    Seevölker

    Eine direkte Verbindungslinie von der Völkerwanderungszeit bis zurück zur Bronzezeit zieht der gotische Chronist Jordanes im 7. Jahrhundert.


    Die Jordanes-Überlieferung


    Jordanes erklärt die ostgermanischen Goten für identisch mit den thrakischen Geten. Dabei waren weder Jordanes noch sein Vorlagengeber Cassiodor die Erfinder der Geten- und Goten-Gleichsetzung, sondern beide standen in einer längeren Reihe, die mit dem römischen Kaiser Julian Apostata begann. Dieser hatte bereits 311 Gete und Gote gleichgesetzt. Anfang des 5. Jahrhunderts setzte sich diese Gleichsetzung mit Claudian und Orosius schließlich sogar allgemein durch. Orosius schrieb: „Aber die, die heute die Goten sind, waren früher die Geten.“1

    Dem gotischen Chronisten zufolge sollen Goten unter einem König Tanausis den ägyptischen König Vesosis (= Sesostris III., 1882 bis 1842 v. Chr.2) am Phasis geschlagen und bis nach Ägypten verfolgt haben. Nur durch den Nil und durch die gegen die Äthiopier errichteten Festungen sei verhindert worden, daß die Ägypter in ihrem Vaterlande von den Goten vertilgt wurden. Auf dem Rückmarsch unterjochte Gotenkönig Jandusis beinahe ganz Asien und machte dieses seinem guten Freunde, dem Mederkönige Sornus, tributpflichtig.

    Die Meder existierten allerdings offiziell erst zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Zw., was die Angaben des Jordanes noch unglaubwürdiger erscheinen ließ. Der Historiker Felix Dahn, dem die Forschung heute weitgehend folgt, glaubte die Ursache des „Geten-Goten-Irrtums“ in der Gleichsetzung Geten = Skythen = Goten auszumachen.3

    Allerdings hatte noch der große Sagen- und Mythenforscher Jakob Grimm die Identität der Geten und Goten als durchaus zutreffend bezeichnet. Tatsächlich werden die Geten heute als den Hellenen eng verwandte indogermanische Thraker oder Daker (wie sie in antiker Zeit genannt werden - „Geto-Daker“) angesehen. Genau wie die Hellenen gelangten die Thraker um 1200 v. Zw. im Zuge der Ausbreitung der „Urnenfelderkultur“ (1300-800 v. Chr.) in den Mittelmeerraum und besiedelten das Land zwischen Ägäis und Schwarzem Meer. Eine Herkunft aus dem östlichen Nordeuropa ist unter diesen Umständen daher keineswegs so abwegig — ja selbst die Nutzung einer germanischen Sprache kann für dieses als blond oder rothaarig beschriebene Volk nicht ausgeschlossen werden.4

    Den antiken Autoren zufolge waren die Thraker in vielem Lehrmeister der Hellenen: So soll der Sagenheld Orpheus, ein Prophet der Seelenwanderung und Reformer des Dionysus-Kultes, thrakischer Herkunft gewesen sein. Er legte den Grundstein für eine Reihe hellenischer Geistesströmungen, wie den Orphikern, den Pythagoräern und sogar den Platonisten, die sich seit dem 6. Jahrhundert v. Zw. in Griechenland entwickelten. Pythagoras wiederum war beeinflußt von einer weiteren thrakischen Sagengestalt, dem Zalmoxis, der bei den thrakischen Geten als Gottheit verehrt wurde. Herodot bezeichnete ihn als ehemaligen, später freigelassenen Sklaven des Pythagoras, obgleich er wesentlich früher verehrt wurde, als Pythagoras lebte und demnach Pythagoras von Zalmoxis inspiriert worden sein muß. Ein dem Zalmoxis vorangehender Lehrmeister wird als Teutas bezeichnet, was etymologisch auf Germanien verweist.5

    Die Herkunft der thrakischen Götterwelt ist genau wie ihre Symbolik, die aus runenähnlichen Zeichen bestand, ebenfalls im Norden Europas zu suchen und wiederum eng verwandt mit dem Germanischen. Auch der bekannte rumänische Mythenforscher Mircea Eliade konstatierte eine enge Verwandtschaft zwischen Iranern, Dakern und Germanen, die er anhand des früheren Stammesnamen der Daker, dáoi (thrak. dhaunos = Wolf), belegt: „Wenn man alle anderen Zusammenhänge betrachtet, in denen der Wolf eine wichtige Rolle in der Mythologie und in den Riten der Germanen spielt (berserkir, Männerbünde, Werwolf etc.) so kann man schlußfolgern, daß, auch wenn der religiöse Komplex wirklich indoeuropäisch zu sein scheint, doch eine engere Beziehung zwischen den Iranern, Thrakern und Germanen festgestellt werden kann.“6


    Ramses II. in Europa?


    Ende des 2. Jahrtausends erfolgten größere Wanderungsbewegungen in den Südosten, die mit der Gründung des Hethiterreiches in Anatolien, des Mykenischen Reiches in Griechenland und verschiedener Fürstentümer in Kleinasien ihren vorläufigen Abschluß fanden. Vor diesem Hintergrund ist eine Auseinandersetzung germanischstämmiger Einwanderer in Kleinasien mit Ägyptern zu Beginn des 2. vorchristlichen Jahrtausends durchaus denkbar. Allerdings könnte sich hinter dem Vesosis/Sesostris auch Ramses II. (1303-1213 v. Zw.) verbergen – das jedenfalls behauptet eine Reihe von Forschern, die Ramses lediglich für den Beinamen einer Dynastie von Pharaonen halten. Während Sesostris lediglich einen Feldzug gegen Unternubien führte, unternahm Ramses II., genannt „der Große“, Feldzüge gegen Syrien und gegen die indogermanischen Hethiter, die er in der Schlacht von Kadesch (1274 v. Zw.) nach eigenen Angaben besiegte; tatsächlich geht die Forschung heute von einem Patt aus, da Ramses sein Ziel, Kadesch einzunehmen, verfehlte. Darauf folgte der Friedensvertrag zwischen Ramses II. und dem Hethiterkönig Hattusili III.

    Offiziell ist Ramses II. nie weiter in den Norden nach Skythien vorgestoßen, der griechische Autor Herodot indes behauptet das Gegenteil: Demnach soll Sesostris (alias Rames II.?) ein großer Eroberer gewesen sein, der ganz Asien unterwarf und in Europa bis zu den Gebieten der Skythen und Thraker gelangte (II, 103). Im Unterschied zu Dareios, dem es nicht gelang, die Skythen zu besiegen, unterwarf er außer den übrigen Völkern, die von Dareios erobert wurden, auch dieses (II, 110). Als Beleg für seine Darstellung verweist Herodot auf zwei Stelen, die Sesostris in Ionien errichtet hätte.7

    Und tatsächlich stammt ein Relief in Ionien aus dem 13. Jahrhundert v. Zw., also aus genau der Lebensepoche Ramses II. Doch obgleich sie eine gewisse Ähnlichkeit mit einer tatsächlich Ramses II. zugeschriebenen Stele im Libanon (Nahr el-Kelb) aufweist, zeigt die ionische Stele keinen ägyptischen Pharao, sondern den König von Mira, Tarkasnawa, dessen Name 1998 von John David Hawkins auf der dortigen Inschrift entziffert wurde. Demnach ist er der Sohn Alantallis, ebenfalls König von Mira, und Enkel eines weiteren Königs, dessen Name nicht gelesen werden konnte.8

    Einige Forscher wollen in einer Inschrift auf einer Siegesstele des Sesostris in dem Volk „Sketo“ die Skythen erblicken, allerdings wird dies mehrheitlich abgelehnt. Dennoch ist es nicht abwegig der These zu folgen, daß Herodots Sesostris — und Jordanes Vesosis — tatsächlich Ramses II. war. Damit wäre eine Vermengung verschiedener Geschehnisse der ausgehenden Bronzezeit durchaus denkbar, die einen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Geto-Thrakern, „Goten“ (= Germanen) und Ägyptern geben.


    Seevölker und Germanen


    So waren während der Regentschaft des kurz darauf herrschenden Ramses III. - von 1188 bis 1156 v. Zw. - „Fremdländer“, die auch als „Neunbogen“ bezeichnet werden, nach Ägypten vorgedrungen, wo sie in einer großen Schlacht besiegt werden konnten. Zu dieser den Seevölkern zugerechneten Stammeskoalition zählten die Peleset, die heute als Philister identifiziert werden, die Tjeker, Šekeleš, Danunäer und Wašaš. Die im Totentempel des Ramses II. in Medinet Habu überlieferte Inschrift berichtet über diesen Angriff und nennt als Heimat dieser Stämme die „Inseln inmitten des Meeres.“ Der Forscher Jürgen Spanuth hat eine Reihe von Argumenten dafür geliefert, daß es sich anders als bei vorangehenden Angriffen sogenannter Seevölker auf Ägypten hier um „Nordmeervölker“ aus dem Norden Europas (vom neunten Weltbogen) handelte, die aufgrund vorangegangener Naturkatastrophen in großer Zahl die Heimat verlassend im Rahmen der „Urnenfelderkultur“ bis ins Mittelmeer gelangt waren und sich dort niederließen,
    obgleich sie Ägypten nicht besiegen konnten. Tatsächlich konnten diese Stämme bis heute nicht identifziert werden, es läßt sich lediglich ihre Heimat nach den Angriffen ausmachen.9


    Anmerkungen


    1) Orosius war ein iberischer spätantiker Historiker. Weitere bekannte Anhänger dieser These waren Namatianus und Isidor von Sevilla. Vgl. Eliade, Mircea: Von Zalmoxis zu Dschingis-Khan. Köln 1982, S. 80.

    2) Die Forschung bezieht die Überlieferung auf Sesostris III., hält aber eine Vereinigung von Taten verschiedener Pharaonen auf seine Personen für wahrscheinlich; Wikipedia: Sesostris III.

    3) Dahn, Felix: Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker. Bd. 1, 1880, Kap. 48; die Geten siedelten ab dem 7. Jahrhundert v. Zw. westlich des Schwarzen Meeres zwischen dem Ister (der untersten Donau) und dem östlichen Balkan (heutiges Moldawien/Ost-Bulgarien). Sie werden erstmals vom griechischen Historiker Herodot erwähnt, der ihnen Eisenverhüttung und -verarbeitung zu Waffen, Arbeitsgeräten und Schmuck bescheinigt.

    4) Der griechische Philosoph Xenophanes (ca. 570-470 v. Chr.) beschrieb die Thraker als blauäugig und (rot-)blond. Wikipedia: Thraker. Auffällig ist noch, daß das Apollo-Heiligtum der Geten Verbindungen zu den Hyperboräern, hoch im Norden unterhielt. „Überliefert ist, daß u.a. ein Stamm des Hohen Nordens - der jedoch nur als Hyperborea bekannt ist - regelmäßig Opfergaben an Heiligtümer im Gebiet des Epirus und ins Apoll-Heiligtum der Daker sandte, denen die Geten zugerechnet werden. Es wird angenommen“, so Wikipedia (Geten), „daß es sich dabei um eine sehr alte Route zwischen der Ostsee und den Thrakern handelt, die über die Ostgermanischen Stämme führte.“ Felice Vinci, Homer an der Ostsee (vgl. Reconquista 1/2016), S. 604, glaubt, daß mit Thrakien einst ein Gebiet an der Ostküste schwedens gemeint war.

    5) Teut ist die die altgermanische Form für altdeutsch Diet/Dit = Volk, vgl. auch kelt. Gottheit Teutates = Vater des Volkes. Jakob Grimm übersetzte thiudisk, was in Abgrenzung zu den westlichen welhisken/welschen Kelten „dem Volk zugehörig“ und später synonym für „deutsch“ wird: In der Regensburger Kaiserchronik (12. Jahrhundert) erscheint es zum ersten Mal als Volksname: „die Diutiscen“ (die Deutschen).

    6) Eliade (1982), S. 20; Siehe dazu Krüger, Dennis: Der unbesiegte Sonnengott. Bottrop 2013², S. 111; hier bestätigt der Althistoriker Franz Altheim die enge Verwandtschaft zwischen Thrakern und Germanen u.a. unter Verweis auf an die schwedischen Felsbilder von Bohuslän erinnernde thrakische Gravierungen und Bildzeichen.

    7) Siehe dazu Ivantchik, Askold I. : Eine griechische Pseudo-Historie. Der Pharao Sesostris und der skythisch-ägyptische Krieg. In: Historia, Band XL VIII/4 (1999), S. 402; Vgl. Hoffmann, Lars: Cassiodor und Jordanes. In: Die bedeutenden Historiker. Wiesbaden 2007, S. 814.

    8) Vgl. Ehringhaus, Horst: Götter, Herrscher, Inschriften - Die Felsreliefs der hethitischen Großreichszeit in der Türkei. Mainz 2005, S. 90; Ivantchik (1999), S. 404. 9) Siehe dazu Spanuth, Jürgen: Die Atlanter – Volk aus dem Bernsteinland. Tübingen 1976, der die Stämme als Nordvölker (u.a. Dan = Dänen) identifiziert.



    Teil 3: Seevölker und das Atlantis des

    Nordens

    Die Felder lagen brach - die Ernten fielen von Jahr zu Jahr magerer aus. Immer mehr, vor allem junge Leute entschieden sich für den Weg, den schon viele Vorfahren beschritten hatten: Die Auswanderung in den Süden. An einem Tag um das Jahr 1200 v. Chr. jedoch, beendete ein einschneidendes Ereignis alles Abwägen und jede Hoffnung auf Besserung: Ein Himmelskörper stürzte auf die Erde und verschlang alles Leben im direkten Umkreis.


    Gegen Ende des 14. Jahrhunderts v. Chr., dies jedenfalls steht außer Zweifel, gerät die alte Welt aus den Fugen. „Über einen Zeitraum von etwa 130 Jahren“, so der Altertumsforscher Günther Kehnscherper, läßt sich für „ausgedehnte Gebiete Mittel- und Südeuropas... eine Fülle extremer Witterungserscheinungen nachweisen.1 Im Norden begann eine Auswanderungswelle, die diesmal noch um ein vielfaches größer war, als die Wellen in den Jahrtausenden zuvor.2 Ganze Familien mit Sack und Pack befanden sich auf der Wanderung. Nur wenige Menschen blieben zurück. Der gesamte Norden war bis zur Jahrtausendwende wie leergefegt.3 Mit sich trugen die Auswanderer ihre verbrannten Toten - in Urnen. Dies war der Beginn der Urnenfelderzeit, die sich zwischen 1300 und 900 v. Chr. über ganz Europa ausdehnte.4

    Mit ihr hielten auch Objekte des im Nordraum stark ausgeprägten Sonnenkultes Einzug in Süddeutschland.5 Auffällig für die sogenannte Urnenfelderkultur waren vor allem die zahlreichen bronzenen Schwerter (Vollgriffschwerter, Griffplattenschwerter und Griffzungenschwerter) sowie vereinzelte Gegenstände aus verhüttetem Eisen, die ein Novum in Europa darstellten und im Nordraum sogar ihren frühesten Ausgangspunkt haben könnten.6

    Obgleich von der Forschung bis heute bestritten, eint die unterschiedlichen aber doch verwandten Völker und Stämme auf ihrem Weg vor allem das Ziel: Der Mittelmeerraum.7 Doch auch hier gibt es einschneidende Veränderungen: Die alten Reiche der Mykener und Hethiter sowie die Fürstentümer entlang der Levante-Küste — das Mitanni-Reich und Ugarit — kollabieren, die Paläste des Adels stehen in Flammen. Selbst das mächtige Ägypten erzittert unter den Plagen der Trockenheit, der Erdbeben und der Hungersnot, die die gesamte bekannte damalige Welt ergriffen zu haben scheinen.8

    Um 1208 v. Chr. beginnt der erste Angriff der mysteriösen Seevölker aus dem Westen auf Ägypten. Stämme des Mittelmeergebietes hatten sich mit libyschen Nachbarn der Ägypter verbündet und das mächtige Pharaonenreich attackiert. Eine Siegesstele des damaligen Pharaos Merenptah (1213-1204 v. Chr.) bescheinigt Ägypten den Sieg und nennt die libyschen Stämme Lebu (rbw), Meschwesch (mšwš), T[j]ehenu (thnw) und T[j]emehu (tmhw) sowie die Seevölker der Turiša (twrš), Sekeles (škrš), Luka (rkw), Scherden (šrdn), Aqi-wascha (jkwš), aber auch „Nordleute“.9

    In Folge der Niederlage der Angreiferkoalition wurden die Šrdn als Hilfstruppen der Ägypter verpflichtet. In einem Brief des Königs von Byblos werden sie als Leibwache des Pharaos erwähnt. Die Heimat der auf zeitgenössischen Malereien als Träger von Hörnerhelmen mit Knauf erscheinenden Šrdn bzw.Šardanu ist die Insel Sardinien.10 Hier wurden auch Götteridole mit Hörnerhelm und Rundschild aus derselben Epoche gefunden.

    Sardinien — und Kreta — standen, so belegen es sowohl Funde als auch die als „I2“ nachgewiesenen Y-Haplogruppen einer kleinen Gruppe damaliger Einwohner, schon eingangs der Bronzezeit in Verbindung mit megalithischen Kulturen West- und Nordeuropas. I2, so vermuten es heutige Forscher, ist die Y-Haplogruppe der Führungsschicht der west- und nordeuropäischen Megalithkulturen, die bereits für das 7. Jahrtausend in Schweden nachgewiesen ist. Die wohl einen Teil der megalithischen Handelsstrukturen darstellenden Inseln Kreta und Sardienien bilden die Ausgangsbasis für einen gemeinsamen Angriff nordwesteuropäischer Stämme mit Verbündeten von Mittelmeerinseln und aus Libyen. Vermutlich über die Rhone erreichten Nordwesteuropäer schon einige Zeit zuvor die Insel Sardinien, kurz vor 1200 v. Chr. treffen neue Gruppen von Nordleuten vermutlich über Griechenland auch auf Kreta ein, wo nun ebenfalls Rundschilde und Hörnerhelme nebst europiden Schwertern nachweisbar sind.11 Die Nordleute vereinen sich mit Bootsbesatzungen aus Kreta (Luka - rkw), Sardinien (Šrdn), Sizilien (Sekeles - škrš) und Griechenland (Aqi-wascha) und rücken zeitgleich mit libyschen Fußtruppen gegen Ägypten vor, wo sie geschlagen werden.12

    21 Jahre später erfolgt der zweite bekannte Vorstoß. Um 1186 v. Chr.13 berichten die Quellen von einer ganzen Allianz von Seevölkern, die von den Inseln und Ländern des großen Wasserkreises („sin-wur“) stammten. Dieser Angriff konnte vom damaligen Pharao Ramses III. (1194–1163 oder 1187-1157 v. Chr.) mit Hilfe der nunmehr auf seiner Seite kämpfenden Sarden (šrdn) erst unter großen Anstrengungen und Verlusten abgewehrt werden. Eine Palastinschrift in Medinet Habu preist den Sieg mit folgenden Worten:

    Die Barbaren nämlich hatten sich zusammengetan auf ihren Inseln; verdrängt und zerstreut im Kampfgetümmel waren die Völker in einem Augenblick; kein Land konnte standhalten vor ihren Arme(e?)n, von Hethitien an, über Kizzuwatna, Karkemisch, Kilikien und Zypern... Sie schlugen auf ein Feldlager an einem Ort in Amurru; sie haben seine Menschen und sein Land zugrunde gerichtet, (als) wenn sie nie gewesen wären. Sie aber sind vorangeschritten - während ihnen die Feuersbrunst schon bereitet war - gegen die Heimat [= Ägypten]. Ihre Föderation bestand aus den Peleset, Tjeker, S(ch)ekles(ch), Danu und Weschesch; die vereinigten Völkerschaften aber, sie haben ihre Hand gelegt auf die Länder bis zum Erdkreis, ihre Sinne dem geneigt und davon erfüllt, daß ihre Absichten Wirklichkeit würden.“14

    Aus diesen Inschriften ergibt sich ein eindeutiger Hinweis auf die Herkunft der Angreifer: Die ursprünglich von Inseln stammenden „Barbaren“ zogen vom Balkanraum kommend durch Anatolien entlang der Küste bis in das heutige Syrien. Von dort erfolgte ein Angriffsstoß zu Land, ein anderer zu Wasser, wobei offen bleibt, ob die Schiffe erst hier angefertigt wurden. Unterstützt werden die offensichtlich aus Europa einwandernden Stämme der Peleset (prst) und Tjeker (tkr) durch Streitkräfte der ebenfalls europiden Danu, der Sekeles (skrs), vermutlich aus Sizilien, und der Weshesh (wss), deren Heimat unklar bleibt.

    Der Zug über Land wurde auf den ägyptischen Reliefs von Medinet Habu auch bildlich festgehalten. Diese zeigen Männer mit Federkronen gemeinsam mit Frauen, Kindern und den typisch europäischen zweiachsigen Ochsenwagen. Im Papyrus Harris I, einem Rechenschaftsbericht von Ramses III., wird berichtet, wie der Pharao die Dnjn, „die auf ihren Inseln sind“, tötete.

    Während die meisten Historiker die Seevölker zumeist als Stämme des Mittelmeergebietes und Anatoliens ansahen, greift langsam die Erkenntnis Bahn, daß nordische Stämme nicht nur beteiligt, sondern wohl federführende Initiatoren der Angriffe waren.16

    Vor allem ein antiker Bericht erinnert stark an Völker, die sich auf „fernen Inseln zu einem Angriff zusammen getan“ hatten: Der Atlantis-Bericht des Griechen Plato. Dieser erzählte im 5. Jahrhundert v. Chr. von einem mächtigen Königreich, „größer als Libyen (Nordafrika) und Asien“ (Kleinasien), das viele Inseln im Atlantik umfaßte, einen Königssitz auf einer Insel besaß und sich aufmachte, große Teile des Mittelmeerraumes zu unterjochen. Nach Hunderten verschiedener Deutungen der unterschiedlichsten Forscher präsentierte der studierte Altertumskundler und ex-Pastor Jürgen Spanuth die bis heute überzeugendste Lösung der Atlaqntis-Frage: Das Atlantis Platos waren die Gebiete Nord- und Westeuropas, die seit der Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit über die Idee der Megalithik und den Handel vor allem mit Bernstein, Gold, Kupfer und Zinn verbunden waren.

    Insbesondere bezüglich der Peleset, der biblischen Philister, belegte Spanuth die nordische Herkunft anhand ihrer Schiffe, ihrer Waffen- und Kriegsrüstungen sowie ihrer Symbolik. Ihre weiteren, vom Pfahl bzw. der Säule abgeleiteten Bezeichnungen P(h)olosté (prst) weisen sie gemäß Spanuth ebenso offensichtlich als Stämme des äußersten Nordens aus, wo die Säule des Himmels unter dem Polarstern steht.17

    Auch die Danu/Danaer (dnn), die Tjeker (tkr) und Weshesh (wšš) können als indogermanische Völker erkannt werden, nämlich als später in Griechenland siedelnde Danaer, als Teukrier aus Troja und Oskier, die sich später in Süditalien ansiedelten.

    Diese frühen Verwandten der Germanen schufen, teils gemeinsam mit der jeweiligen ansässigen Bevölkerung, oft durch Unterwerfung dieser, neue Kulturen und die großen Reiche der Antike. Von ihren einstigen Vorfahren, den Stämmen im Norden, erreichten Griechen und Römer bald nur noch Sagen und Legenden bis die Nordvölker sich erholt hatten und erneut Wanderungsbewegungen in den Süden aussandten, die als Kimbern und Teutonen Schrecken verbreiteten.


    Anmerkungen


    1) G. Kehnscherper: Hünengrab und Bannkreis. Leipzig 1983, S. 109.

    2) Barry Cunliffe: Illlustr. Vor- und Frühgeschichte Europas. Frankfurt 1996, S. 342, bestätigt, „daß dies eine Zeit der ‚Völkerwanderung‘ gewesen ist, durchaus vergleichbar mit der bekannten gleichnamigen Epoche während des Frühmittelalters.“

    3) Vgl. Kehnscherper (1985), S. 110 f. Vgl. auch Rathjen (2004), S. 337, der den Historiker Erik Graf Oxenstierna zitiert, der „eine fast vollständige Fundlosigkeit auf den dänischen Inseln und dem gesamten skandinavischen Inland“ für die Übergangszeit zwischen Bronze- und Eisenzeit feststellt.

    4) Die Sitte der Totenverbrennung war schon zuvor vereinzelt praktiziert worden, überwiegend im Norden Europas, was die Nord-Süd-Verbreitung zusätzlich stützt. Vgl. Hans W. Rathjen: Atlantis war Westeuropa. Diepenau 2004, S. 349.

    5) Vgl. Ernst Probst: Deutschland in der Bronzezeit. München 1999, S. 46 f.

    6) Älteres Eisen z. B. bei Hethitern war stets Meteor-, kein verhüttetes Eisen. Das Wort ist jüngsten Forschungen zufolge eine germanische Eigenschöpfung īsarna- bzw. eisarna (got. eisarn) in der Bedeutung von „kräftig“/„schnell“ und verwandt mit keltisch isarno- bzw. īsarno. Vgl. H. Zschweigert: Raseneisenerz von der Geest in Schleswig-Holstein. In: Ur-Europa Jahrbuch 2017, S. 123.

    7) Vgl. Cunliffe (1996), S.342 f., der die nordischen Formen von nunmehr in den Süden gelangten Waffen einräumt.

    8) Siehe dazu E. Cline: 1177 BC. Princeton 2016, S. 205 ff.

    9) Diese Nordleute werden im englischen Wikipedia-Eintrag „Merneptah“ erwähnt, fehlen aber im entsprechenden deutschen Beitrag. Vgl. G. Gadow: Der Atlantis-Streit. Frankfurt 1973, S. 88, der aus den Verlustzahlen auf der Stele auch eine Gruppe mit 1200 Toten zitiert, die er einfach „Seevölker“ nennt.

    10) Bereits unter Ramses II. kämpften diese Schardana 1274 v. Chr. in der Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/seev%C3%B6lker#Pa-pyrus_Harris

    11) Vgl. Cunliffe (1996), S. 317, der europide Griffzungenschwerter (Naue II-Typus) in Kriegergräbern hervorhebt.

    12) Während die srdn übereinstimmend als Sarden identifziert wurden, sind die übrigen ungewiß. Die Sekeles sind die einzigen, die beim zweiten Angriff ebenfalls beteiligt sind. Ihre Heimat könnte Sizilien sein, möglicherweise wurde sie es aber auch erst nach den Kriegen und die Sekeles stammen ursprünglich auch aus Nord- oder Mitteleuropa. Für Verwirrung sorgt die Ähnlichkeit der ägypt. Schreibweise skrs mit den tkr (Tjeker) des 2. Angriffs, die auch als skr erscheinen. Die Luka erwähnt Herodot (I,173) als einstige Bewohner Kretas und die Akawasha oder Ekouesh weisen etymologisch auf die griechischen Achäer. Allerdings sollen sie Horst Friedrich zufolge, atlantisforschung.de/index.php, als Beschnittene dargestellt worden sein. Die Turisa werden mit den Etruskern in Zusammenhang gebracht, die nach 1100 v. Chr. Norditalien besiedelten aber vermutlich aus Nordwesteuropa stammten.

    13) Eine auf 1194 v. Zw. datierte Tontafel aus Ugarit spricht von Angriffen von Seefahrern. Cline (2016), S. 7 ff., geht von 1177 v. Chr. für den zweiten Angriff aus. Sicher ist nur, daß es im 8. Regierungsjahr Ramses II. war, dessen Herrschaftszeit aber umstritten ist.

    14) Inschrift des Jahres 8, übersetzt nach Junge, TAUT, zit. nach E. Sternberg-el Hotabi; Der Kampf der Seevölker gegen Pharao Ramses III. Rahden 2012, S. 23. eine weitere Inschrift bezeugt: „Die nördlichen Fremdländer zitterten vor Eifer am ganzen Leib. Die Peleset und Tjeker trennten sich von ihrem Land und kamen, indem ihre Macht zunichte geworden war. Sie waren Teher-Krieger zu Lande und andere waren auf dem Meer.“ Inschrift Jahr 5, zit. nach Sternberg -el Hotabi (2012), S. 23.

    15) So etwa Sternberg-el Hotabi (2005), S. 45: „... ein anderer Teil könnte aus sich nördlich anschließenden Gebieten dazu gestoßen sein“ wie es überaus vorsichtig heißt.

    16) Vgl. Jürgen Spanuth: Die Atlanter. Tübingen 1976, S. 31 f.

    Der Autor ist Verfasser des Titel „Hyperborea -

    Der Mensch aus dem Norden in der Frühgeschichte“

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Der Fall "Maddie" und "Pizzagate"

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