RECONQUISTA

  • 10-11-22 21:39 Alter: 22 Tage

    Die USA: Kriegstreiber im Hintergrund

    Zbigniew Brzeziński
    Zbigniew Brzeziński 2010

    Was heute zu „Putins Krieg“ erklärt wird, kam nicht überraschend. Es war unter geopolitischen Aspekten schon lange absehbar und ist Konsequenz einer für die USA erfolgreichen, geostrategisch orientierten Außenpolitik. Deren Ziele richten sich gegen Rußland und Europa zugleich. Beide sollen geschwächt und gegeneinander in Stellung gebracht werden.

    Für Russland markiert Putins Waffengang möglicherweise das letzte Aufbäumen des postsowjetischen Imperiums vor seinem Untergang. Für Rußland geht es um seinen Status als Weltmacht.

    Schon 1994 umriß der vormalige US-Außenminister Henry Kissinger das geopolitische Dilemma der Ukraine: „Die Zukunft der Ukraine hängt davon ab, ob es ihr gelingt, für niemanden Vorposten zu sein.“ Für die Geostrategen im Pentagon stand ein anderer Zusammenhang im Vordergrund: Russland kann nur Weltmacht bleiben, solange die Ukraine nicht in den militärischen Einflussbereich des Westens gerät.

    Daher ist der Versuch, die Ukraine zum Vorposten der NATO zu machen, aus russischer Sicht ein aggressiver Akt US-amerikanischer Expansionspolitik. Der Ukraine-Konflikt sei die Folge des geostrategischen Vormarsches der Amerikaner, heißt es in Moskau. Im historischen Maßstab gehe die Aggression von den Amerikanern aus, und „Putins Krieg“ reihe sich in die lange Liste geheimer Kriege der USA ein. Erinnert wird dabei an ein Wort Friedrichs des Großen: Angreifer ist, wer seinen Gegner zwingt, die Waffen zu erheben.

    Die USA waschen ihre Hände derweil in Unschuld. Die westliche Propaganda stilisiert Putin zum großen Verbrecher und predigt eine totale Wirtschafts-Blockade, eine moderne Version des totalen Krieges im 21. Jahrhundert. Dabei haben die USA schon vorher ihre ökonomischen Muskeln spielen lassen. Sie haben 2014 der „demokratischen Revolte“ in der Ukraine mit vier Milliarden Dollar zum Sieg verholfen, danach für 17 Milliarden Waffen ins Land gepumpt. Jetzt beklagt der „Westen“ die Verletzung westlicher Werte, die Flucht von Millionen und den Tod von Tausenden in einem Stellvertreterkrieg, den die USA sorgsam vorbereitet haben. Diese Hintergründe sind für viele in Vergessenheit geraten. Die Folgen treten umso deutlicher zutage: Der Krieg verwandelt die östliche Ukraine in ein Trümmerfeld und verändert die weltpolitische Lage von Grund auf. Die Verlierer stehen schon fest: die Ukraine, Russland und das übrige Europa, allen voran Deutschland. Deutschland wird auf internationaler Ebene als abhängiger Staat vorgeführt und muß sich in seine Rolle als Vorposten der USA fügen. Der große Gewinner des Krieges steht schon jetzt fest: Die „einzige Weltmacht“ hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt.  

     

    Die Strategie der „einzigen Weltmacht“

    Wer den Ukraine-Konflikt verstehen will, darf die geopolitischen Interessen der USA nicht aus den Augen verlieren. Die Empörung über „Putins Überfall“ hat den Blick auf die Aktivitäten der russischen Seite verengt und den wichtigsten Akteur in den Hintergrund treten lassen.

    Das geostrategische Konzept der amerikanischen Außenpolitik ist jedoch allgemein bekannt. Der polnisch-stämmige US-Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezińskis hat es in seinem 1997 erschienenen Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Er bekennt sich offen zu dem Ziel einer globalen Vorherrschaft der USA. Zu diesem Zwecke gelte es jeden machtpolitischen Konkurrenten auf dem eurasischen Kontinent mit allen verfügbaren Mitteln auszuschalten und die USA als politischen Schiedsrichter einer „Weltgemeinschaft“ durchzusetzen, die von der amerikanischen Vision einer besseren Welt geleitet sein müsse. Ziel ist die Durchsetzung „US-amerikanischer Werte“, um eine Welt nach dem Willen der USA zu schaffen. Unausgesprochen geht es um globale Vorherrschaft (einer Minderheit) und Unterwerfung für den Rest der Welt.

    Grundlage der amerikanischen Hegemonie ist für Brzeziński sowohl die militärische, wirtschaftliche, technologische Stärke der USA wie auch eine von ihm angenommene kulturelle Überlegenheit. Letztere umfaßt die ideologische Vorherrschaft, die nach Brzeziński dazu führt, dass „der gesamte eurasische Kontinent von amerikanischen Vasallen und tributpflichtigen Staaten übersät sei, von denen einige allzu gern noch fester an Washington gebunden wären“. „Allerwerteste Kriecherei“ und freiwillige Unterwerfung beruhen auf der indirekten Einflussnahme der USA auf abhängige ausländische Eliten. Diese wiederum würden durch internationale Medien und eine globale Unterhaltungskultur einheitlich ausgerichtet. NATO, Weltbank, IWF und Welthandelsorganisation vermittelten zwar den Eindruck einer Entscheidungsfindung im demokratischen Dialog, würden jedoch in Wirklichkeit von den USA dominiert. Der „dialogische Schein“, mit dem sich Amerika umgibt, verschleiert die Brutalität einer nicht werte- sondern interessenbasierten Machtpolitik der USA.

    Für diese Politik sei Eurasien nach Zbigniew Brzezińskis Ansicht „das Schachbrett, auf dem sich der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielt.“  Um die Dominanz auf dem eurasischen Kontinent zu gewinnen, müssten die USA „die drei großen Imperative imperialer Geostrategie“ beachten: „Absprachen zwischen den Vasallen verhindern, ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit bewahren und dafür sorgen, dass sich die „Barbaren“ nicht zusammenschließen.“

     

    Deutschland und Russland auf Abstand halten

    Die Aktivitäten der geostrategischen Hauptakteure Frankreich, Deutschland, Russland,  China und Indien gelte es deshalb genau im Blick zu behalten. Insbesondere eine Verbindung zwischen Deutschland und Russland oder gar eine europäisch-russische Verständigung würde die Stellung Amerikas gefährden. Das könnte man wohl als den ersten Hauptsatz der amerikanischen Außenpolitik bezeichnen. Schließlich zeigt ein Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie die USA zur Weltmacht wurden: in zwei Weltkriegen ist es gelungen, Deutschland und Russland gegeneinander in Stellung zu bringen und sich gegenseitig niederringen zu lassen. In beiden Weltkriegen haben die USA erst ganz am Ende ihr Gewicht in die Waagschale geworfen, hatten nur geringe Verluste  und haben so ihre heutige Position erreicht.

    Für die USA stellt Europa einen eurasischen Brückenkopf dar. Sinnbild dafür ist die deutsche Militärbasis Rammstein, von der die US-Operationen weltweit gesteuert werden. Europa erscheint aus US-Perspektive als ein militärisches Aufmarschgebiet weit vor der eigenen Haustür, auf dem jederzeit auch begrenzte atomare Kriege geführt werden könnten, ohne den Urlaubsbetrieb in Florida oder Kalifornien zu stören. Der Chef-Stratege der USA blickt mit Verachtung auf „Europa". Die europäische Einigung nennt er machtpolitisch bedeutungslos, sie sei nur eine Kopfgeburt der Eliten Deutschlands und Frankreichs und beinhalte keine zukunftsweisende Vision. Gemäß seiner Einschätzung sind die zersplitterten, verwöhnten und ideologisch verwirrten Gesellschaften Europas nicht in der Lage einen nennenswerten weltpolitischen Einfluss auzuüben, da sie durch „kulturelle Lethargie, eskapistischen Hedonismus und geistige Leere“ geprägt seien.

     

    Deutschland träumt von „Erlösung“

    Die Intentionen Frankreichs und Deutschlands seien zudem grundverschieden. Während es Frankreich um die Wiedergeburt als „grande nation“ und die Nutzbarmachung und Unterordnung Deutschlands unter französische Interessen gehe, suche Deutschland in Europa eine „Erlösung“. Um der jederzeit möglichen propagandistischen Wiederbelebung antideutscher Ressentiments und einer verdeckten Fortsetzung des 100-jährigen Krieges gegen Deutschland zu entgehen, sei es bereit, auf seine Souveränität im Rahmen von NATO und EU zu verzichten und sich den USA und Frankreich zu unterwerfen. Deutschland habe sich mit seinem Status als Gefangener der Geschichte abgefunden und strebe nach seiner Auflösung in Europa.

    Während Europa in einem stabilen Gleichgewicht divergierender Interessen blockiert und somit gezähmt ist, stellt Russland einen weltpolitischen Unsicherheitsfaktor für die USA dar, der im Zusammenspiel mit China gefährlich werden könnte. Um die Rückkehr Russlands zu einer imperialen Machtpolitik zu verhindern und Russland in die Schranken zu weisen, mußte die Osterweiterung der NATO nach Ansicht des US-Strategen ein vorrangiges Ziel der USA sein. Dass dies unweigerlich in Russland ein Gefühl der Einkreisung erzeugen und den Geist des kalten Krieges erneut heraufbeschwören würde, wurde in den USA genauso einkalkuliert, wie die destabilisierenden Seiteneffekte auf Europa.  

    Die USA - ein falscher Freund?

    Die erneute Destabilisierung Europas durch Migration ist eine unmittelbare Folge des Krieges.

    Das Chaos in Europa liegt durchaus im Interesse der USA. Das sagt aus diplomatischer Höflichkeit natürlich keiner. Aber ganz offenbar sind die Interessen der USA und Europas nicht deckungsgleich, teilweise gar entgegengesetzt. Mehr noch, die USA treiben mit den Europäern ihr Spiel. Das zeigte sich im Jugoslawien-Krieg, in Afghanistan und vor allem bei der von den USA und ihren Geheimdiensten ausgelösten und  orchestrierten Flüchtlingskrise von 2015. Ein mit ethnischen Konflikten und Integrationsproblemen beschäftigtes Europa stellt für die einzige Weltmacht keine ernsthafte Konkurrenz dar. Je schwächer Europa ist, umso mehr sind die USA gefragt. Selbst wenn in Europa 200 Millionen Menschen mehr leben als in den USA, eine gemeinsame Verteidigung scheitert an nationalen Gegensätzen. Länder wie Polen ordnen sich lieber einem transatlantischen Hegemon unter als den Nachbarn im eigenen Hause zu trauen. Sie gehören zu jenen Staaten, „die allzu gern noch fester an Washington gebunden wären“.

    Die USA sind nur in dem Maße an der Einheit Europas interessiert, als sie ihnen die Führung des Kontinents erleichtert. Und die ist umso leichter, je mehr die Europäer zerstritten sind und sich von Russland bedroht fühlen. Diese Bedrohung liegt ganz im Interesse der USA. Ihr politisches Kalkül ist in der Ukraine aufgegangen und die Rolle des Aggressors spielt - wieder mal - ein anderer. 


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