RECONQUISTA

  • 22-01-18 00:12 Alter: 126 Tage

    Operationsgebiet BRD: Mossad-Morde und Entführungen

    Neues Buch über den israelischen Geheimdienst dokumentiert den Terror im Staatsauftrag


    Als Heinz Krug am 11. September 1962 das Haus in einem Münchener Vorort betrat, ahnte er nicht, daß dies sein Todesurteil sein würde. Innerhalb des Gebäudes wurde der Geschäftsführer der Handelsgesellschaft Intra von einem Einsatzteam des israelischen Geheimdienstes Mossad erwartet. Die Männer überwältigten den arglosen Geschäftsmann, fesselten ihn und brachten ihn versteckt unter der Sitzbank eines VW-Busses nach Marseille. Hier wurde er mit Medikamenten betäubt und in einem Linienflugzeug nach Israel gebracht. Mehrere Monate dauerte die Tortur des Gefangenen. Nach wochenlanger Folter hatten die Geheimdienstmänner was sie wollten: Ein Adressbuch und alle Informationen zu Wissenschaftlern und Firmen, die Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser bei der Fertigstellung seines Raketenprogramms halfen, das als große militärische Bedrohung Israels angesehen wurde. Dies war auch der Grund für Krugs Entführung: Er hatte über seine Firma Material für dieses Raketenprogramm besorgt und nach Ägypten liefern lassen. Nachdem Krug alle Informationen preisgegeben hatte, wurde er nicht mehr benötigt. Kaltblütig wurde der Deutsche erschossen und aus einem Militärflugzeug über dem Mittelmeer „entsorgt“. Bis heute hat die Familie von Heinz Krug keine offizielle Bestätigung, was mit Heinz Krug tatsächlich geschehen ist. Daß sich dies nun ändert ist einem israelischen Autoren zu verdanken, der die geheimen Tötungskommandos des Mossad in seinem neuen Buch beschreibt: "Der Schattenkrieg. Israel und die geheimen Tötungskommandos des Mossad". DVA 2018).

    Heinz Krug, so das Fazit Ronen Bergmans, war zwar ein besonders drastischer Fall von Verstößen gegen sämtliche Menschen- und Völkerrechte, aber beileibe kein Einzelfall. Denn der Mossad agiert bis heute ohne rechtlichen Rahmen, bis in die 1970er Jahre wurde sograr seine Existenz bestritten. So tötete der Mossad in einem Zeitraum von 50 Jahren mehr als 3000 Menschen, darunter auch viele Unschuldige, als Kollateralschäden oder in Folge von Verwechslungen. Während der Zweiten Intifada, einem Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung zwischen 2000 und 2004, gab es laut Bergmann Tage, „an denen vier bis fünf gezielte Tötungen“ durch den Mossad angeordnet wurden.

    Die positive Einstellung israelischer Regierungen gegenüber den Mossad-Methoden hat auch damit zu tun, daß viele führende Politiker Israels einst selbst im Geheimdienst tätig waren. Aber die Grundlage für das von Israel eingeforderte Recht, Konflikte auf diese völkerrechtswidrige Weise zu beeinflussen oder gar zu beenden, liegt bereits bei den ersten zionistischen Einwanderern Israels Anfang des 20. Jahrhunderts. „Einige der führenden Zionisten“, so Bergmans Erläuterung, „waren desillusionierte Revolutionäre aus Rußland. Sie hatten das Konzept der politischen Morde aus ihrer Heimat mitgebracht und gründeten 1907 die erste bewaffnete zionistische Einheit in Jaffa.“ Unterstützung erfährt der Mossad bei seinen oft rechtswidrigen Aktionen nicht nur von US-Geheimdiensten, sondern vor allem vom bundesrepublikanischen BND, wie der Autor festhält: „Sehr eng“, so Bergman, waren die Beziehungen des Mossad zu BND, „damals schon, und sie wurden immer enger. Der deutsche Dienst wird“, so Bergmann weiter, „als hilfsbereit und proisraelisch wahrgenommen. Selbst wenn eine erbetene Unterstützung offiziell abgesagt wurde, haben BND-Leute oft informell geholfen...“ Deutlicher kann ein Überschreiten der Befugnisse und rechtlicher Vorgaben durch den BND nicht ausgedrückt werden. Und auch im Geheimdienstfeld scheint Israel wiederum besondere Vorrechte zu genießen.

    Dies ist wohl der größte Skandal an den bis heute nicht aufgearbeiteten Todes- und Entführungsfällen des Mossad auf deutschem Boden, die nicht nur nicht verfolgt geschweige denn geahndet, sondern oft sogar mit Unterstützung bundesdeutscher Geheimdienste durchgeführt wurden.

    (Zitate aus „Der Spiegel 4/2018, S. 40 ff.)

    Filmtip: Der Mossad, die Nazis und die Raketen (ARD Montag 22.1. 23.30 Uhr)


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