RECONQUISTA

  • 13-04-18 01:07 Alter: 101 Tage

    Erstmals Privatkredite mit Minuszinsen - Steht das Finanzsystem vor dem Kollaps?

    EZB Frankfurt

    Zinsen für Geld zu bekommen oder zu bezahlen gilt heute als völlig normal. Für eine Leistung, das Verleihen von Geld, wird eine Gebühr erhoben. Vielen vor allem auch wirtschaftlich geschulten Menschen kommt dabei aber die Absurdität des Zinses offenbar nicht in den Sinn. Sie meinen, der Zins sei eine völlig normale Sache, ein Preis für die Leistung des Geldverleihs, wie er bei allen Geschäften Anwendung findet. Doch tatsächlich ist der Zins mit dem damit verbundenen Zinseszins nicht einfach nur eie Gebühr oder ein Preis für eine Leistung, sondern geht weit darüber hinaus: Wer sich etwa 1000 Euro leiht, muß bei einem jährlichen Zinssatz von 10 % nach einem Jahr 1100 Euro zurückzahlen. Nach zwei Jahren sind es aber bereits 1210 und dieser Betrag steigerte sich Jahr für Jahr exponentiell, d. h. der Schuldbetrag wird nicht gleichmäßig größer, sondern steigert sich immer schneller. Ein oft zitiertes Beispiel offenbart die Absurdität des Systems: Hätte Josef zur Geburt seines “Sohns” Jesu einen Cent zu 4 % Verzinsung angelegt, dann würde das heute eine Summe von 186.671.780.195.916.000.000.000.000.000.000 Euro erbringen – was 225 eine Kugel in Größe der Erde aus purem Gold entsprechen würde. Der Zins ist also nicht eine "normale" Gebühr oder ein Preis für eine Leistung, sondern er ist ein Perpetuum Mobvile zur Geldvermehrung - und nur beim Geldverlei findet der Zinseszins Anwendung. Wer ein Auto mietet für eine Summe von 100 Euro, der fände eine Erhöhung des Mietpreises zwar völlig normal. Eine als angemessen angesehene Erhöhung würde sich wohl bei einem Betrag etwa bis zur Hälfte des eigentlichen Mietpreises bewegen, denn schließlich ist ja der Mietpreis selbst der Preis und die zusätzliche Summe lediglich eine Aufwendung für den Verzug. Maximal wäre in diesem Beispiel eine Erhöhung um dieselbe Mietpreissumme vorstellbar,niemals aber eine Erhöhung um einen Betrag, der größér ist als die eigentliche Mietpreissumme. Was in diesem Fall ebenso wie in allen anderen Geschäften üblich ist, wird in Bezug auf das Leihen und Verleihen von Gelds aber auf einmal als normal akzeptiert? Niemand kann heute sagen, wer auf die Idee kam, Geld anders zu behandeln, als andere Waren. Eine Spur weist nach Babylonien und hier geraten Angehörige eines Volkes in Verdacht, das seit dem Mittelalter bis in die heutige Zeit bestens von Zins und Zinseszins profitiert hat. Heute aber profitiert eine große Anzahl von Menschen von dem Finanzsystem. Daß ein Finanzsystems, das auf Zinseszins beruht, allerdings nur eine bestimmte Halbwertzeit aufweist, liegt auf der Hand: Denn das in Form von Krediten ausgegebene Geld kann nicht in Gänze zurückgezahlt werden, da der Zinseszins gar nicht im Umlauf ist. Daß heißt, es kommt immer wieder dazu, daß Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen können, und je größer die Leihsumme, desto wahrscheinlicher der Eintritt dieses Falls. Die Immobilienblase in den USA hat dies plastisch vor Augen geführt. Tausende von Hausbesitzern konnten ihre horrenden Krtedite nicht mehr bedienen, als die Zinsen drastisch erhöht wurden. Sie verloren ihre Häuser und hatten zusätzlich noch teils beträchtliche Schulden.

    2018 ist nun ein Wendepunkt eingetreten, der in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug ermessen werden kann: Erstmals vergeben Geldinstitute Privatkredite mit Minuszins. Kreditnehmer können sich dabei bis zu 1000 Euro leihen, müssen nach drei Jahren aber nur 923 Euro zurückzahlen. Was verdienen denn die Institute dann noch mit den Angeboten? Oder kurz gefragt: Warum haben sie Geld zu verschenken? Während Mainstreammedien die Situation versuchen herunterzuspielen, indem sie diese Praxis als eine Art Werbetrick, Rabattschlacht und ähnliches verkaufen wollen, ist die Realität eine andere: Geld hat heute immer weniger einen Gegenwert,oder anders ausgedrückt: Das Geld ist nichts mehr wert. Eine natürliche Folge der Geldpolitik sowohl der US-Notenbank Fed als auch der Europäischen Zentralbank: Hunderte Billionen Euro und Dollar wurden in den letzten Jahren in den Finanzmarkt gespült. Es ist soviel Geld im Umlauf, daß Banken nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld. Ein Hauptbetätigungsfeld für das Geld, das arbeiten, sprich Zinsen abwerfen soll: Die internationalen Börsen. Das Problem aber ist: An Börsen wird im Grunde genommen das Geld nicht vermehrt, sondern lediglich umverteilt. Das bedeutet, wenn Banken, und Broker nun das Geld in der Börse investieren, dann verteilen sie hautpsächlich untereinander Geld. Um Geld zu erwirtschaften, müssen vor allem neue Börsianer gewonnen werden, denen man Geld aus der Tasche ziehen kann. Genau das ist aber auch ein Zusatzeffekt der Minuszinspolitik. Denn laut Umfragen würden vor allem vermögendere Bürger ihr Geld in Aktien investieren, sobald ihre Bank Minuszinsen, also Gebühren auf Sparguthaben ,erheben würde. Damit das Geld nun nicht einfach nur vom Bankkonto abgehoben und zuhause oder in Schließfächern gebunkert wird, ist es erforderlich das Bargeld einzuschränken oder bestenfalls ganz abzuschaffen. In diesem Fall beständen nur drei Alternativen: Das Geld auf dem Konto liegenlassen ud zusehen wie es durch Negativzinsen immer weniger wird - eine Option, die für weniger als 10 % eine tatsächliche Option wäre. Das Geld ausgeben, für Immobilien etc. Die meisten Bürger aber würden das Geld in Aktien anlegen.

    Und genau das ist das Ziel: Denn der Börsenhandel erfüllt heute vor allem einen Zweck: Die Aufrechterhaltung des Finanzsystems oder vielmehr des Scheines eines intakten Finanzsystems. Denn anders als von Wirtschafsinstituten vorgegauckelt, haben wir weltweit und vor allem in Europa eine massive Inflation, die lediglich dadurch verschleiert wird, daß Dinge wie Fernreisen und vor allem elektronische Geräte im Laufe der Zeit günstiger werden. Durch die Aufnahme dieser Dinge in Vergleichslisten wird die tatsächliche Geldentwertung verschleiert. Die Geldentwertung zeigt sich indes in den laufenden Lebenskosten: Miete, Strom, Heizung usw. und im massiven Anstieg der Lebensmittelpreise: Hier vor allem Milchpürodukte, Fleisch aber auch Gemüse. Wenn diese tatsächlichen Lebensunterhaltskosten in Relation gesetzt würden, dann wäre die Inflation nicht mehr zu leugen: Es handelt sich um einen Anstieg in Höhe vonjährlich etwa 6 %.

    Genau das unterstreicht einer der wenigen verbliebenen tatsächlichen Finanzexperten: Dirk Müller. Dieser erläutert, daß beispielsweise die Gewichtung von Lebensmitteln, deren Preise in den letzten Jahren dramatisch anzogen, von 13,1 Prozent im Jahr 1995 auf 10,4 Prozent im Jahr 2005 in der Vergleichsliste zur Ermittlung der Inflationsrate reduziert wurde! Gleichzeitig wurde der Anteil von Freizeit und Kultur, zu dem auch die immer billiger werdenden Fernreisen zählen, von 10,4 auf 11,6 Prozent erhöht. „Im Klartext heißt das: Man will der armen Rentnerin erklären, dass sie halt Pech hat, wenn ihr ganzes Geld, das sie nach den Ausgaben für Wohnen und Heizen noch übrig hat, für immer teurere Lebensmittel draufgeht“, illustriert der Experte. „Würde sie weniger essen und stattdessen öfter nach Mauritius fliegen, hätte sie auch nicht so eine hohe persönliche Inflationsrate - was für ein Zynismus!“, empört sich Müller.

    Danach entspricht die Inflationsrate dem Wachstum der Geldmenge minus dem Wirtschaftswachstum. Das ist logisch. Denn eigentlich sollte die Geldmenge durch die Wirtschaftsleistung eines Staates gedeckt sein. Ist sie das nicht, steht der Geldvermehrung keine gestiegene Wirtschaftsleistung gegenüber. Das Ergebnis heißt Inflation. Aus dieser Berechnungsmethode ergibt sich für Deutschland, dass die Preise von 2001 bis Ende 2012 um 66 Prozent gestiegen sind - und nicht um gut zwölf Prozent, wie es die offizielle Statistik glauben machen will. In anderen Worten: Die „wahre“ Inflationsrate lag im Durchschnitt dieser Jahre eher bei sechs als bei den offiziell vermeldeten 1,55 Prozent. Zwar ging die Steigerung der Geldmenge in den vergangenen Monaten deutlich zurück, aber das in den Vorjahren geschaffene „frische Geld“ steckt immer noch im Finanzsystem - und entfaltet weiterhin seine Wirkung.

     

    Während also der Minuszins durchaus einen Paradigmenwechsel in der finanzpolitik eingeläutet hat, bedeutet dies noch nicht das Ende des Finanzsystems: Wenn es den Nutznießern des derzeitigen Systems gelingt eine größere Anzahl von Menschen dank dieses Minuszinssystems an die Börsen zu locken und vielleicht sogar Bargeld weitgehend abzuschaffen, dann wird dem Finanzsystem neues Leben eingehaucht – zumindest für eine gewisse Zeit.


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